Repetitorium

der

lateinischen Syntax und Stilistik

Ein Lernbuch für Studierende und vorgeschrittene Schüler,

zugleich

ein praktisches Repertorium für Lehrer,

bearbeitet von

Dr. Hermann Menge,

Königlichem Gymnasialdirektor a. D.

Zehnte durchweg verbesserte Auflage.

Wolfenbüttel.
1914.

Der alte Menge

Das Repetitorium der lateinischen Syntax und Stilistik



Hermann Menge | Titelei von 1914 | Vorwörter | Rezensionen


Hier erfahren Sie Einzelheiten über die Entstehung, Aufbau und Inhalt des alten Menge. Außerdem stehen Ihnen folgende Links zur Verfügung: Über den Link Hermann Menge gelangen Sie zu einer Biographie von Hermann Menge. Sie können sich auch die Titelei von 1914, die Vorwörter früherer Ausgaben und die Zusammenfassung einiger Rezensionen, die seit dem letzten Jahrhundert verfasst worden sind, ansehen.

Die Entstehung des alten Menge

Hermann Menge (1841 1939) veröffentlichte sein Repetitorium der lateinischen Syntax und Stilistik 1873 als Lehrkompendium für die oberen Klassen des Gymnasiums; erst nach einigen erweiterten Auflagen wurde es zu dem Menge , wie wir ihn heute kennen. In der Gestalt, die ihn berühmt gemacht hat, erschien das um den Untertitel Ein Lernbuch für Studierende und vorgeschrittene, zugleich ein praktisches Repertorium für Lehrer erweiterte Werk erstmals 1885 in 5. Auflage. Wie aus dem Vorwort zur sechsten Auflage von 1890 hervorgeht, war das Ziel nun nicht mehr nur eine Lernhilfe für den Schüler und Studenten, sondern ein Buch, "welches dem praktischen Schulmanne eine [...] vielseitige und zuverlässige Auskunft über den Sprachgebrauch der klassischen Latinität bietet". Das Werk wuchs immer weiter und erlebte zu Menges Lebzeiten noch fünf weitere Auflagen. Die Zusätze und Berichtigungen, die Thierfelder in der 11. Auflage 1953 vornahm, änderten nicht allzu viel an der Substanz. Thierfelder griff damals auf die 7. Auflage von 1900 zurück. Dagegen legt diese Neubearbeitung die detail- und materialreichere 10. Auflage von 1914 zugrunde.


Der Aufbau des Werkes

Der Haupttext des Repetitioriums war zweigeteilt: In einem ersten Teil (je nach Auflage zwischen 80 und 120 Seiten) standen Fragen, wie sie im damaligen Unterricht üblich waren, und deutsche Übungssätze; im zweiten Teil (7. Auflage: etwa 400 Seiten, 10. Auflage: 520 Seiten!) wurden die Fragen beantwortet und die lateinischen Lösungssätze angegeben. Sie können sich Beispiele für diese katechismusartige Gliederung ansehen. Ein umfangreiches und vorzüglich gemachtes Register von 50 Seiten erschloss die ungeheure Materialfülle.

Der Aufbau der Grammatik folgt im Wesentlichen dem damals üblichen Schema (vgl. etwa Kühner-Stegmann): Auf die Behandlung der Satzteile und der Kongruenz (§§ 1-22) folgt die Kasuslehre (§§ 25-110) mit Orts-, Zeit und Raumbestimmungen (§§ 111-127) und der Lehre von den Präpositionen (§§ 128-154).
Das Kapitel über die Präpositionen leitet von den Satzfunktionen zu den Wortarten über: nach der sog. Stilistik der Substantive und Adjektive inklusive der Steigerungsformen und Zahlwörter(§§ 155-218) kommen die Pronomina (§§ 219-291) und das Verb mit der Consecutio temporum (§§ 292-338).
Unter das Kapitel "Verb" wird auch das Satzgefüge subsumiert. Die echten Gliedsätze werden inhaltlich und nach den einleitenden Konjunktionen gegeliedert behandelt (§§ 339-413). An die echten Gliedsätze schließen sich die unechten Gliedsätze an (§§ 414-456): Infinitiv, Partizip, Gerundium und Gerundivum, Supinum. Das Kapitel "Verb" endet mit der Oratio obliqua (§§ 457-460).
Die Wortarten enden mit den Adverbien (§§ 461-498) und den beiordnenden Konjunktionen (§§ 499-534).
Das letzte Kapitel ist stilistischen Fragen gewidmet: der Wortstellung (§§ 535-540), dem Periodenbau (§§ 541-545), den Tropen und Figuren (§§ 546-551).
In einem Anhang werden "Einige Regeln für die Abfassung lateinischer Aufsätze" angeführt.

Der Inhalt des alten Menge

Der Menge ist aus dem praktischen Schulunterricht hervorgegangen - und damit aus dem Bereich der jahrtausendelang tradierten lateinischen Schulgrammatik. Entsprechend dieser Herkunft verzichtet Menge auf eine lange Einleitung und theoretischer Reflexion (die damals durchaus nicht so unüich war wie heutzutage gerne behauptet wird): sein Vorgehen ähnelt dem eines anderen großen Autors, das Horaz so beschreibt: semper ad eventum festinat et in medias res non secus ac notas auditorem rapit (ars 147f.)
Wenn man die Verse etwas freier interpretiert, kann man das Mengesche Werk kaum treffender beschreiben: Es ist pragmatisch angelegt, d. h. Menge interessiert sich für die konkreten Folgerungen (eventus), die sich aus dem Quellenmaterial für das Lateinschreiben ergeben, keine theoretischen Umwege sollen das Erreichen der Lernziele (mediae res) erschweren, der Lernstoff selbst ist nichts Neues: er ist bekannt (notae res), weil althergebracht, daher passt auch der Name Repetitorium wie kein anderer auf das Mengesche Lehrwerk.

Obwohl Menge mit zunehmender Auflagenzahl immer mehr wissenschaftliche Ziele verfolgt hat, ist sein Werk bis zum Ende ein Werk der Schule und der Praxis gewesen, mehr noch: die Geschichte seiner Genese war ein Hemmschuh für die Verwissenschaftlichung, wenn man unter Wissenschaft den Aufbau eines kohärent-homogenen Systems versteht, das nicht um der Vollständigkeit der Beschreibung willen Lücken im Material durch Konstrukte oder Entlehnungen aus anderem Material zu schließen versucht. Anders ausgedrückt: Der Menge sollte dem Lernenden (der immer mehr der Student war, nicht mehr der Schüler) einen Leitfaden für das Lateinschreiben an die Hand geben. Der Schüler sollte in der Lage sein, das lateinische Scriptum im Abitur aufzusetzen, der Student sollte wissenschaftliche Aufsätze auf Latein verfassen können.
Menges Haltung gegenüber den lateinischen Autoren war also nicht theoretischer Natur (was? warum?), sondern rezeptiv (wie? wozu?): Die Frage "Wie kann ich das Vorhandene meinen eigenen Zwecken dienstbar machen?" dominierte vor der Frage nach der Natur des Erkannten und insbesondere vor der Ausarbeitung einer angemessenen Methode oder gar Theorie.

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